Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Geostrategie’ Category


Hunderte der sogenannten Bunkerbrecherbomben werden von Kalifornien auf den amerikanischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean verschifft, als mögliche Vorbereitung für einen Angriff auf den Iran.

Wie die Zeitung Sunday Herald berichtet, hat die US-Regierung einen Vertrag im Januar unterschrieben, um 10 Schiffscontainer mit Bomben auf die Insel zu bringen.

Laut Frachtpapiere der US Navy beinhaltet die Ladung 387 der sogenannten „Blu“ Bomben, welche zur Zerstörung von verstärkten oder unterirdischen Bauten eingesetzt werden.

Experten sagen, sie werden für einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen in Position gebracht.

Die Einzelheiten des Vertrags für die Verschiffung nach Diego Garcia wurden auf einer internationalen Webseite für Ausschreibungen von der US Navy veröffentlicht.

Die Reederei Superior Maritime Services mit Sitz in Florida bekommt 699′000 Dollar, um tausende militärische Gegenstände von Concord in Kalifornien auf die Insel Diego Garcia zu bringen.

Die Fracht beinhaltet unter Anderem 195 smart, guided und Blu-110 Bomben, sowie 192 der massiven 1′000 Kilo Blu-117 Bomben.

Sie bereiten sich auf die völlige Zerstörung des Iran vor,“ sagte Dan Plesch, Direktor des Zentrums für internationale Studien und Diplomatie an der Universität von London, der als Koautor kürzlich eine Studie über die Vorbereitungen eines Angriffs der USA auf den Iran veröffentlichte. „US-Bomber sind heute bereit 10′000 Ziele im Iran innerhalb weniger Stunden zu zerstören,“ fügte er hinzu.

Diego Garcia gehört zu Grossbritannien, aber die Amerikaner haben bis 2016 einen Pachtvertrag mit den Briten abgeschlossen und nutzen die Insel als grosse Militärbasis, mit langer Startbahn für Bomber. 3′700 Mann Besatzung und eine Staffel von B-52 und B-2 Tarnkappenbomber sind dort stationiert. Die Insel liegt 1′000 Meilen südlich von Indien, von dort aus ist der Iran in relativ kurzer Zeit zu erreichen.

Laut britischen Verteidigungsministerium benötigt Washington die Erlaubnis der Briten um Diego Garcia für eine offensive Aktion zu nutzen, wurde aber bereits in den Kriegen 1991 und 2003 gegen Irak als Ausgangspunkt für amerikanische Bombenangriffe verwendet.

Plesch meint, Obama könnte entscheiden, es wäre besser wenn die USA den Angriff durchführt, statt Israel.

Laut Ian Davis, Direktor der unabhängigen Denkfabrik NATO Watch, ist diese Schiffsladung nach Diego Garcia sehr besorgniserregend. „Wir fordern die USA auf ihre Absichten für diese Waffen zu erklären und das Foreign Office ihre Einstellung zur Nutzung von Diego Garcia als Ausgangspunkt für einen Angriff auf den Iran,“ sagte er.

Für den Vorsitzenden der schottischen Kampagne für nukleare Abrüstung (CND), ist diese Enthüllung „extrem besorgniserregend“. Er sagte: „Es ist klar, dass die US-Regierung weiter die Kriegstrommeln gegen den Iran schlägt, wie vor kurzem in einer Aussage durch Aussenministerin Hillary Clinton.

Es ist ähnlich depressiv wie die Rhetorik die wir vor dem Krieg gegen den Irak 2003 hörten.

Übrigens, Diego Garcia ist EU-Territorium, da es zu Grossbritannien gehört. Damit würde ein möglicher Krieg gegen den Iran auch von der EU aus geführt. Realisieren und wissen die EU-Bürger das? Werden sie überhaupt gefragt? Ach so, blöde Frage gell?

Read Full Post »


-erneute Veröffentlichung- Von PETER SYMONDS, 9. Januar 2010 –via Hintergrund

Die US-Regierung kündigt neue, aggressive Schritte gegen den Iran an. Am 31. Dezember ist der Termin abgelaufen, den Präsident Obama der Teheraner Regierung für eine Verhandlungslösung über das Atomprogramm gesetzt hatte. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte am Montag, “die Tür für den Dialog” sei immer noch offen. Sie warnte aber, dass die USA nicht “zuschauen werden”, während der Iran “Schritte zum möglichen Bau von Atomwaffen” unternimmt.

Vorbereitungen für die Verhängung härterer Sanktionen gegen den Iran sind längst im Gange. Vertreter der so genannten P5+1 Staaten – die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China und Deutschland – werden sich in den nächsten vierzehn Tagen treffen, um über Strafmaßnahmen gegen den Iran im UN-Sicherheitsrat zu diskutieren. China hat diese Woche weitere Sanktionen öffentlich ausgeschlossen, aber die USA und ihre Verbündeten wollen – mit oder ohne Zustimmung der UN – rasch handeln.
Die nächsten Schritte werden in einem Artikel in der New York Times vom Sonntag erläutert.
Ungenannte Sprecher des Weißen Hauses erklärten, dass innenpolitische Unruhen und technische Schwierigkeiten mit der Urananreicherung die iranischen Führer “besonders empfindlich gegen starke, sofortige Sanktionen” machen könnten. Um die politischen Spannungen im Iran auszunutzen, will die Obama-Regierung die iranischen Revolutionsgarden ins Visier nehmen, die an der Unterdrückung regierungsfeindlicher Proteste beteiligt waren.

In einem Artikel vom 30. Dezember in der Washington Post hieß es, die Regierung habe “gegenüber dem Iran einen dramatisch schärferen Ton” angeschlagen, noch ehe neue Sanktionen angekündigt wurden. Die Maßnahmen würden wahrscheinlich mehr oder weniger gleichzeitig auf drei Wegen umgesetzt: im UN-Sicherheitsrat, gemeinsam mit den Verbündeten und einseitig durch die USA. Die UN würden erste Schritte vermutlich noch bis zum Februar aufschieben, wenn Frankreich China im Vorsitz des Sicherheitsrats ablöst. Frankreich unterstützt Strafmaßnahmen gegen den Iran.

Das bedrohlichste Anzeichen für eine bevorstehende Konfrontation ist die Verteufelung Teherans in den Medien. Die New York Times veröffentlichte am Mittwoch einen längeren Artikel, der angeblich enthüllte, dass der Iran “immer größere Teile seines Atomkomplexes in einem System aus Tunneln und Bunkern im ganzen Land verbirgt“. Dieses Gerücht, das weltweit übernommen und weitergetragen wurde, handelte von einem “Labyrinth von Tunneln”, wodurch Irans “berüchtigt undurchsichtiges Nuklearprogramm weiter verschleiert” würde. Dieser “Mantel der Unsichtbarkeit” sei für Teheran “eine Art unsichtbare Waffe”.

Der Artikel war zwar lang, brachte jedoch erstaunlich wenige Fakten. Er wies erneut auf die unterirdische Urananreicherungsanlage nahe Ghom hin, die von Obama auf dem G-20-Gipfel im September “enthüllt” worden war. Der Iran hatte die Anlage schon vorher der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gemeldet. Die IAEA inspizierte die Anlage darauf und stellte fest, dass sie sich noch im Bau befand und noch keine technischen Einrichtungen installiert waren. Das hielt die Times nicht davon ab, atemlos die große Anzahl von Tunneln im Iran und die Tätigkeit ausländischer Firmen im Verkauf von Tunnelbaumaschinen zu berichten. Präsident Mahmoud Ahmadinedschad hege “großes Interesse an Tunneln” aufgrund seines Berufs als Verkehrswegeingenieurs. Nichts davon kann in einem gebirgigen Land wie dem Iran wirklich überraschen.

Der Artikel legte großes Gewicht auf neuere Behauptungen einer iranischen Exilgruppe, des National Council of Resistance of Iran (NCRI). Diese Gruppe behauptete, der Iran habe “mehrere Fabriken” in die Berge östlich von Teheran gegraben, die sich auf die “Herstellung von Atomsprengköpfen” spezialisiert hätten. In der Zeitung stand, der NCRI habe schon 2002 die Existenz der unterirdischen Anreicherungsanlage von Natanz bekannt gemacht. Die “Entdeckung” der Fabrik Nahe Ghom sei nun Beweis genug dafür, dass auch die anderen Behauptungen der Gruppe stimmten. Der frühere IAEA-Chef Mohamed ElBaradei hat dagegen ausgesagt, dass sich die meisten Anschuldigungen des NCRI als haltlos erwiesen hätten.

Die Art und Weise, wie die Propaganda des NCRI ungeprüft übernommen wird, erinnert stark an die Bush-Regierung, die angebliche “Erkenntnisse” irakischer Exilanten über so genannte Massenvernichtungswaffen in den Medien verbreiten ließ und diese nutzte, um die Invasion im Irak 2003 zu rechtfertigen. Der NCRI hängt mit den Volksmudschaheddin oder MEK zusammen, einer kleinbürgerlichen nationalistischen Gruppierung, die schon Terroranschläge im Iran verübt hat. Der ehemalige UN-Waffeninspekteur Scott Ridder wies in seinem Buch Target Iran (Ziel Iran) darauf hin, dass sich die Enthüllung von Natanz durch den NCRI nicht auf eigene Quellen gestützt hatte, sondern dass der israelische Geheimdienst ihm das gesteckt habe. Zweifellos liefere dieser auch weiterhin Informationen – und Falschinformationen.

Der Artikel in der New York Times ist nur der jüngste einer ganzen Reihe von Berichten, die stark nach vom Geheimdienst lancierten Meldungen aussehen. Vergangenen Monat brachte die britische Times zweifelhafte Dokumente, die aus dem Iran durchgesickert waren, und die angeblich zeigen sollten, dass das Regime Forschungen zur Entwicklung eines Atombombenzünders betrieben habe. Vergangene Woche berief sich Associated Press auf Geheimdienstberichte eines ungenannten Landes, die besagten, dass der Iran ein geheimes Abkommen mit Kasachstan über die Lieferung von 1.372 Tonnen reinen Uranerzes, sogenanntem “Yellow Cake”, geschlossen habe. Der Iran, der die Existenz eines Atomwaffenprogramms immer wieder abstreitet, hat diese Behauptung als Fälschungen zurückgewiesen. Der offensichtliche Zweck dieser regelmäßigen Schreckgeschichten besteht darin, ein Klima der Unsicherheit und Angst zu schaffen, um Strafmaßnahmen gegen den Iran als gerechtfertigt erscheinen zu lassen.

An dem Artikel in der New York Times ist besonders beunruhigend, wie offen darüber spekuliert wird, ob ein Angriff auf das iranische “Tunnel-Labyrinth” realistisch sei. Der Artikel stellte fest, dass Israel nicht über die konventionellen Waffen verfüge, um unterirdische Anlagen zu zerstören. Dann fügte die Zeitung hinzu: “Die Obama-Regierung hat Wert darauf gelegt, die militärische Option nicht vom Tisch zu nehmen, und das Pentagon arbeitet fieberhaft an der Entwicklung einer tödlichen Tunnelwaffe.” Erste Tests mit einer gigantischen Bunker brechenden Bombe fanden 2007 statt. Das Programm wurde letztes Jahr beschleunigt, und die riesige, 13,6 Tonnen schwere Bombe soll im Laufe dieses Jahres einsatzbereit sein.

Momentan mag die Obama-Regierung vielleicht keine unmittelbaren Pläne für einen militärischen Angriff haben. Dennoch unterliegt ihr Handeln einer gnadenlosen Logik. Wenn sie die iranischen Revolutionsgarden in Teheran nicht durch scharfe Sanktionen auf Linie zwingen kann, wird der Kongress der Regierung durch neue Gesetze ermöglichen, ein äußerst schmerzhaftes Embargo für raffinierte Ölprodukte gegen den Iran zu verhängen. Im Hintergrund lauert immer die “militärische Option”, die dafür sorgt, dass sich die Spannungen verschärfen. Die Gefahr wächst, dass die USA in einen weiteren neokolonialen Krieg schlittern.

Obamas Vorbereitungen auf die Konfrontation mit dem Iran passen zu der Eskalation des Kriegs in Afghanistan und Pakistan und der Ausweitung des “Kriegs gegen den Terror” nach Jemen.
Washingtons Drohungen gegen den Iran haben genauso wenig mit angeblichen Nuklearwaffen zu tun wie Obamas Afpak-Krieg mit dem Kampf gegen al-Qaida.

Die USA verfolgen in erster Linie das Ziel, ihre wirtschaftliche und strategische Vorherrschaft in den energiereichen Regionen Zentralasiens und des Nahen und Mittleren Ostens zu sichern. Der Iran nimmt in diesen Regionen schon immer eine zentrale Stellung ein. Wie schon Bush verfolgt auch Obama eine verantwortungslose Strategie, die schwindende amerikanische Macht auf Kosten seiner Rivalen zu sichern. Die Gefahr besteht, dass ein Konflikt mit dem Iran nicht nur den Nahen und Mittleren Osten in Brand setzt, sondern auch andere Großmächte mit hineinziehen wird.

Read Full Post »


Autor: Prof. Dr. Eberhard Hamer (www.mittelstandsinstitut-niedersachsen.de)

Die USA sind nicht nur durch Übernahme der Bankschulden auf den Staatshaushalt, sondern auch wegen ihrer ohnehin drastisch gestiegenen Staatsschulden – sie brauchen eine Milliarde Dollar pro Tag Kredite aus dem Ausland – in der grössten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Kommen die ausländischen Finanzzuflüsse nicht mehr oder würden sie sich zur Flucht aus dem Dollar umkehren, stehen die USA vor einem Staatsbankrott.

Dennoch machen die USA keine ausreichenden Versuche, ihre ansteigenden Staatsschulden durch Sparmassnahmen zu reduzieren. Weder erhöhen sie die Steuern, um mehr Einnahmen zu erzielen, noch machen sie ernsthafte Sparanstrengungen in den öffentlichen Haushalten, vor allem nicht bei dem am stärksten gewachsenen Militärhaushalt.

Immerhin haben die USA überall in der Welt 200 000 Soldaten im Kampfeinsatz. Keiner hat deshalb verstanden, dass der grösste Kriegsherr der Welt trotz Erhöhung der Truppenstärken einen Friedensnobelpreis bekam. Mögliche Erklärung dafür: Er bekam den Preis vorsorglich, weil es vor allem von ihm abhängt, ob der Krieg in Iran beginnt oder nicht.

Häufig in der Geschichte haben Politiker, wenn sie wirtschaftlich am Ende waren, den Krieg als letzten Ausweg zum Machterhalt gewählt. Dies gilt um so mehr, wenn ein Land in Krisen steckt und einen Krieg als letzten Ausweg aus der Wirtschaftskrise sieht. So haben die USA ihre grösste Wirtschaftskrise des zwanzigsten Jahrhunderts durch Eintritt in den Ersten Weltkrieg überwunden, die Weltwirtschaftskrise durch Eintritt in den Zweiten Weltkrieg und könnten jetzt versucht sein, ihre dritte Wirtschaftskrise in gleicher Weise zu lösen. Immerhin haben die USA durch die beiden Weltkriege nicht nur ihre beiden grössten Staatsverschuldungen überwinden können, sondern sich auch zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt entwickelt. Da ist die Versuchung gross, diesen gleichen Weg auch zum dritten Mal zu gehen.

Vor diesem Hintergrund sind eine Reihe von Kriegsvorbereitungen alarmierend:

  1. Der rechtsradikale Ministerpräsident Israels ist kriegslüstern und unberechenbar. Er behauptet ständig wechselnde Bedrohungen aus Iran, von denen bisher nicht eine einzige stichhaltig erwiesen ist. Sein Ton wird aber immer schärfer, und er ist in den letzten Monaten in allen wichtigen Hauptstädten der Welt herumgereist, um Unterstützung zu erreichen. Frau Merkel soll ihm sogar Nibelungentreue versprochen haben, wie vor den früheren Weltkriegen Wilhelm II. den Österreichern oder Engländer und Franzosen den Polen.
  2. Israel hat auch die von Deutschland gelieferten Atom-U-Boote bereits mit Atomraketen vor Iran in Stellung gebracht und in Georgien die vor anderthalb Jahren von den Russen zerstörte Atomraketenstellung nicht nur wieder aufgebaut und gegen Iran ausgerichtet, sondern auch mit 90 US-Raketenspezialisten verstärkt.
  3. Die von Israel beeinflusste Presse der Welt verschärft von Woche zu Woche den Ton gegen Iran mit wechselnden Begründungen – der gleiche Propagandafeldzug, welcher auch vor dem Irak-Krieg mit falschen Behauptungen die Welt kriegsbereit und sogar hilfsbereit gemacht hat.
  4. Auch die militärischen Vorbereitungen sind weit gediehen. Dem US-Militär ist es zwar noch nicht gelungen, die beiden Nachbarstaaten Irak und Afghanistan zu «befrieden». Sie haben dort jedoch die grösste Militärkonzentration der Welt im Kriegs­einsatz geübt. Zusätzlich haben die USA vor Iran die grösste Flottenkonzentration zusammengezogen, die sie je vorbereitet haben. Das Friedensnobelpreiskomitee hat in dieser Situation richtig kalkuliert, dass ein Krieg gegen Iran nicht ohne Zustimmung des US-Präsidenten stattfinden kann, am wenigsten von einem Friedensnobelpreisträger. Dennoch könnte der Druck der Banken, der Ölmultis, der Rüstungslobby, des Militärs und der Israel-Lobby einen Kriegseintritt der USA erzwingen, wenn Israel einen Erstschlag gegen Iran führt und die vorgenannten Mächte ihre Interessen sichern wollen.

Immerhin sind die USA nicht nur das am meisten verschuldete Land der Erde, sondern mit ihrer Währung verfällt auch ihr Weltreich. Die angeblich «einzige Weltmacht der Erde» implodiert zurzeit genauso wie vor 20 Jahren die russische. Die Chinesen haben dem US-Präsidenten bereits durch Fusstritte zu verstehen gegeben, dass sie dessen Herrschaft nicht mehr anerkennen. Der US-Präsident steht also, wenn Israel losschlägt, vor der verzweifelten Frage, ob er weiter in den Sumpf der Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise versinken oder die Lösung in einem Weltkrieg suchen soll, wie dies schon zweimal die USA zum Gewinner werden liess.

Die Gefahr eines neuen Weltkrieges war seit dem zweiten noch nie so gross wie jetzt. Mit Recht haben deshalb seit einem Jahr auch die Warnungen an die USA vor allem aus europäischen intellektuellen Gruppen zugenommen. Hindern können wir es aber nicht.

Ein Krieg in Iran bliebe nicht mehr ein lokales Ereignis, selbst wenn er anfangs nur mit Raketen geführt wird. Auf seiten Irans werden die Chinesen direkt oder indirekt und möglicherweise die Russen eingreifen, um nicht das amerikanische Militär an ihre Grenzen rücken und die USA nicht übermächtig werden zu lassen.

Auf seiten Israels und der USA werden die Nato-Staaten wie beim Irak zur Hilfe verpflichtet werden, vor allem wenn sie ebenfalls vorher Nibelungenschwüre abgegeben haben. Wir müssen uns also deshalb auch in Europa auf Kriegsbeteiligung einstellen.

Welche Auswirkungen könnte ein dritter Weltkrieg in Iran für uns haben?

  1. Jeder Krieg mit Iran würde sofort die Strasse von Hormuz unpassierbar machen und den Ölpreis um so dramatischer ansteigen lassen, je länger der Krieg die Region gefährdet. Ölpreissteigerung ist aber immer Kostensteigerung für Wirtschaft und Verbraucher. Wir müssen also mit Verknappungen, mit Einschränkungen und mit Preissteigerungen in der Güterversorgung rechnen.
  2. Jeder Krieg steigert die Nachfrage nach Rüstungsgütern. Die Rüstungsindustrie in der Welt – vor allem in den USA – wird also jubeln, wird wieder ausgelastet, kann wachsen. Das wirkt sich auch auf eine wachsende Produktion in Nebenbereichen aus, wie zum Beispiel der Automobilindustrie, der Textilindustrie, der Werften- und Luftfahrtindustrie und anderen. Die Produktion steigt, wenn auch zu deutlich steigenden Preisen.
  3. Gewinner jedes Krieges sind die Banken. Man wird nicht mehr über Giftmüllprodukte und Bankster sprechen, sondern die Zentralbanken müssen den Krieg mit frischem Geld fluten. Die Banken können wieder neue Kredite geben. Eine wachsende Inflation wird den Dollar vorerst bis Kriegsende halten. Erst nach Kriegsende folgen üblicherweise die Generalbereinigungen der Sünden der Kriegsfinanzierung.

Dass die USA ihren steigenden Finanzbedarf auch bei ihren Vasallen abkassieren, war schon bisher im Irak-Krieg und im Afghanistan-Krieg üblich. Der Krieg wird also nicht nur die USA und Israel, sondern uns alle ärmer machen. Da das Geld für einen Krieg nicht vorhanden ist, wird die Finanzierung über Inflation wie in den beiden früheren Weltkriegen geschehen, müssen wir uns also auf eine dramatische Inflation einstellen.

 Für einen Krieg in Iran würden die USA auch die Nato mobilisieren («Bündnisfall»). Dann würde die Regierung unseren Soldaten erklären müssen, weshalb sie nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Iran Söldnerdienste zu leisten hätten, und sie müsste im Bundestag eine Mehrheit für die Kriegskosten bekommen. Schon einmal haben SPD und Grüne (Fischer) mit der Lüge eines «Friedenseinsatzes» tatsächlichen Kriegseinsatz beschliessen können. Für einen neuen dritten Weltkrieg wird eine Mehrheit aber trotz allem Druck der USA schwieriger werden. In der Bevölkerung dürfte inzwischen die Ablehnung überwältigend sein und möglicherweise dann zur Ablösung der dienstwilligen Regierung führen.

Vielleicht sieht aber auch die Regierung Merkel in einem Krieg einen politischen Ausweg aus ihrer verfahrenen Situation nach der Bankenhilfe, der öffentlichen Überschuldung, dem drohenden Finanzkollaps der Sozialsysteme und den aus wirklichen Korrekturen drohenden gesellschaftlichen Unruhen.

Die Kriegsgefahr steht vor uns. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob wir in einen dritten Weltkrieg gezogen werden oder dieser Gefahr noch entgehen können.

Read Full Post »


Die Ursache für die dramatische Krise, die seit Anfang Januar den Euro auf Talfahrt geschickt und dem Dollar in gleichem Maße Aufwind verschafft hat, ist nicht einfach das Finanzproblem Griechenlands. Die Krise ist vielmehr das Resultat eines Komplotts und geheimer Absprachen zwischen einigen der mächtigsten Spekulanten an der Wall Street – zweifellos mit stillschweigender Rückendeckung durch das US-Finanzministerium. Das Ziel ist, den Dollar in dieser schwierigen Zeit dadurch zu retten, dass der Euro, die einzige Währung, die als alternative Reservewährung in Frage käme, geschwächt wird.

Die mächtigsten und einflussreichsten Hedge-Fonds- und Finanzplayer der Welt haben sich zu Beginn der gegenwärtigen »Griechenland-Krise« in New York hinter verschlossenen Türen versammelt, um über massive spekulative Angriffe auf den Euro zu beraten. Die mächtigsten Finanzfirmen haben sich offenbar darauf geeinigt, Finanzderivate wie die berüchtigten Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen für Anleihen) einzusetzen, um den spekulativen Druck auf den Euro zu richten bzw. den Druck zu verstärken.

Im Dezember wurde der Euro noch mit 1,51 Dollar gehandelt, heute steht er bei ungefähr 1,35 Dollar. Mit einem täglichen Handelsvolumen von mindestens 1,2 Billionen Dollar stellt der Euro einen sehr großen Markt dar. Die New Yorker Hedge-Fonds haben in einem sehr verwundbaren Moment zugeschlagen, als die Nachrichten über das griechische Haushaltsdefizit die Finanzmärkte schockierten. Der Angriff auf den Euro ging mit einer Flut höchst willkommener Berichte in den amerikanischen und britischen Medien über das unmittelbar bevorstehende Auseinanderbrechen der EU und des Euro einher. Die Hedge-Fonds setzten Fremdkapital in enormer Höhe ein – oftmals das 20-Fache des eigenen Einsatzes gegen den Euro. Dabei haben sie auch ein Vielfaches verdient: manchmal Gewinne in Höhe von 100 Prozent innerhalb weniger Tage, mit geborgtem Geld.

Wall-Street-Insider George Soros begann seinen Propaganda-Angriff auf den Euro in Davos, nur Tage nach einem Geheimtreffen in New York.

An dem New Yorker Geheimtreffen, über das das Wall Street Journal in der Ausgabe vom 26. Februar berichtet, nahmen neben dem Milliardär und Hedge-Fonds-Spekulanten George Soros vom 27 Milliarden Dollar schweren Soros-Fund-Management auch Vertreter von SAC Capital Advisors LP, Greenlight Capital und andere nicht namentlich Genannte teil. Sie einigten sich auf ein konzertiertes Vorgehen gegen den Euro, wobei die griechische Finanzkrise als Hebel benutzt wurde, um dem Ganzen Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Am 3. Februar habe ich meinem Artikel »Washingtons Währungskrieg gegen den Euro« (erschienen in KOPP Exklusiv, Ausgabe 06/2010) dargelegt, wie sich derselbe George Soros beim Weltwirtschaftsforum in Davos für die geplante Zusammenarbeit bei dem Angriff auf den Euro ausgesprochen hat. Gegenüber der Presse erklärte er damals, es gebe keine »attraktive Alternative« zum Dollar – de facto ein Signal für eine Attacke auf den Euro, den viele noch vor einem halben Jahr als Alternative zum Dollar als Weltwährung betrachtet hatten. Soros unterstrich, die »Probleme« des Euro machten ihn als Ersatz-Reservewährung untauglich.

Soros’ abfälligen Bemerkungen schloss sich der prominente New Yorker Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini an, der behauptete, die Haushaltsschwierigkeiten in Europa führten zu dem »wachsenden Risiko« der Aufspaltung der Einheitswährung: »Nicht in diesem oder in den nächsten zwei Jahren, aber irgendwann könnte die Währungsunion zerbrechen.« Bezeichnenderweise unterhalten sowohl Roubini als auch Soros enge Verbindungen zur Regierung Obama. Soros gehörte zu den ersten Spendern für Obamas Wahlkampf und Roubini ist mit Finanzminister Timothy Geithner gut befreundet.

Konzertierte Finanzattacken auf den Euro haben dem Dollar in einem kritischen Moment Aufwind verschafft.

Um den Druck auf den Euro aufrechtzuerhalten, schrieb Soros am 22. Februar einen Kommentar in der Londoner Financial Times, der bekanntesten Finanzzeitung der Welt. Dort erklärte er: »Auch wenn Griechenland überlebt, die Zukunft des Euro ist nach wie vor unsicher.«

Die nun enthüllten Einzelheiten über das New Yorker Geheimtreffen der Hedge-Fonds, bei dem die Attacke auf den Euro geplant wurde, bestätigen erneut, was ich bereits in meinem Buch Der Untergang des Dollar-Imperiums beschrieben habe: die Kräfte des Money Trust von der Wall Street greifen zu jedem nur erdenklichen Mittel, um ihre Macht zu verteidigen. Die Höhe der Verschuldung der USA und das Ausmaß der Krise sind so gewaltig, dass es für die Regierung Obama immer schwerer wird, den Mythos der »Green Shoots«, des Aufschwungs, aufrechtzuerhalten.

Auch Goldman Sachs maßgeblich beteiligt

Die politisch einflussreiche Wall-Street-Bank Goldman Sachs, die seit dem Beitritt Griechenlands zum Euro im Jahr 2001 an den dortigen Finanzmanipulationen beteiligt war, hat bei der jüngsten Krise ebenfalls die Hand im Spiel. Am 29. Januar trafen sich Vertreter von Goldman Sachs zusammen mit einigen anderen führenden Wall-Street-Firmen in Griechenland mit dem stellvertretenden Finanzminister und Vertretern der griechischen Nationalbank. Soros’ Hedge-Fonds-Attacke begann nur wenige Tage später.

Laut dem Bericht im Wall Street Journal haben Goldman Sachs, die Bank of America und die Londoner Barcley’s Bank gemeinsam mit Soros und den Hedge-Fonds Wetten gegen den Euro abgeschlossen, während Goldman Sachs gleichzeitig als Berater für die Regierung Papandreou tätig ist, ein offensichtlicher Interessenkonflikt.

Die Asien-Krise und die Krise um das britische Pfund und die EWU

Das Vorgehen der Hedge-Fonds beim Angriff auf den Euro folgt der Strategie finanzieller Kriegsführung, die Soros und andere Hedge-Fonds bereits in der Vergangenheit verfolgt haben. Soros hat 1992 mit Spekulationen gegen das britische Pfund Sterling nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar Gewinn gemacht – wobei Marktkenner überzeugt sind, dass damals Insider-Informationen eine Rolle gespielt haben – und die britische Regierung gezwungen, Pläne für einen Beitritt zum damals entstehenden Euro fallenzulassen. Wären Großbritannien und die mächtigen Finanzquellen der Londoner City der neuen Eurozone beigetreten, hätte das, wie viele an der Wall Street und in Washington insgeheim befürchteten, möglicherweise das Ende des Dollar als Weltreservewährung bedeutet. Die Tatsache, dass der Dollar als Weltreservewährung agiert, bildet neben dem Pentagon eine der beiden Säulen der amerikanischen Vormachtstellung in der Welt. Verlöre der Dollar diese Position, dann stünde die Zukunft des Amerikanischen Jahrhunderts, die Rolle als alleinige Supermacht, auf dem Spiel.

Ähnlich war die Lage 1997, als ein konzertierter Angriff von Hedge-Fonds, erneut unter Führung von George Soros, einen Angriff auf die Währungen und die Wirtschaft der asiatischen »Tigerstaaten« lancierte. Korea, Indonesien, die Philippinen und Malaysia, damals nachhaltige, von amerikanischer Einmischung unabhängige Volkswirtschaften, wurden durch die Attacke de facto zu Käufern amerikanischer Schulden, weil die Länder in Asien verzweifelt versuchten, sich gegen weitere Angriffe zu schützen. Wie die Sterling-Krise von 1992, so hat auch die Asienkrise von 1997–1998 den schwächelnden Dollar einige Jahre länger am Leben erhalten.

Angesichts der sich verschärfenden Depression in den USA und des Ausmaßes der Bankenprobleme, die von Tag zu Tag schwerer werden, ist die Zukunft des Dollars mehr bedroht denn je. Aus diesem Grund dramatisieren einflussreiche Kreise an der Wall Street, der Federal Reserve und im US-Finanzministerium die relativ überschaubare Krise in Griechenland zum übertriebenen Bild eines »Zusammenbruchs der EU«, weil sie hoffen, damit für ausländische Zentralbanken den Euro als Alternative zum Dollar unattraktiv zu machen. Damit soll nicht gesagt sein, der Euro und der Vertrag von Maastricht seien ein Modell einer gesunden Alternative zu den Problemen der Dollar-Zone. Sie sind alles andere als das. Es soll nur gezeigt werden, welcher geopolitische Machtkampf hinter den Kulissen tobt, um das Sinken der Dollar-Titanic zu verhindern.

ORIGINAL: http://info.kopp-verlag.de/news/geheimtreffen-in-new-york-attacke-auf-den-euro-um-den-dollar-zu-staerken.html

Read Full Post »


Mindestens 230 000 Todesopfer forderte das Erdbeben vom 12. Januar in Haiti. Ein großer Teil der Bausubstanz von Port-au-Prince ist zerstört, mehr als eine Million Menschen sind obdachlos. Die Interamerikanische Entwicklungsbank bezeichnet das Erdbeben als teuerste Katastrophe der Moderne. Eine, nach der in Haiti nichts mehr so sein wird, wie es war – hoffentlich.


Koloniale Ausbeutung

Haiti war der Anfang. Die Erschließung der Neuen Welt begann 1492 mit der „Entdeckung“ der Antillen und damit Amerikas durch Christopher Kolumbus. Innerhalb weniger Jahrzehnte rotteten die Spanier die ansässige indigene Bevölkerung aus. Schon ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Sklaven aus Westafrika importiert. 1697 übernahmen die Franzosen den westlichen Teil der Insel Hispaniola. Saint-Domingue, wie er nun hieß, entwickelte sich schnell zur reichsten Kolonie Frankreichs. Vor allem der Zucker war es, der dazu diente die französische Staatskasse reich zu füllen. Ende des 18. Jahrhunderts war Saint-Domingue profitabler als alle 13 nordamerikanischen Kolonien zusammen. Dreiviertel des weltweit vertriebenen Zuckers kamen aus der Karibikkolonie. All der wirtschaftliche Reichtum wurde auf dem Rücken der versklavten Bevölkerung aufgebaut. Selbst für koloniale Maßstäbe war die Ausbeutung in Saint-Domingue außerordentlich brutal. Die Sklaven starben so schnell, dass der transatlantische Sklavenhandel zeitweise nicht mit der Lieferung neuer „menschlicher Ressourcen“ folgen konnte.

Zuckerplantage in Haiti

 
Die Revolution

Nach mehreren gescheiterten Aufständen schlossen sich 1791 Sklaven zu einer Rebellion zusammen. Unter der Führung von Toussaint L’Ouverture errungen sie die Vorherrschaft in Saint-Domingue. Die neuerfundene Republik Frankreich versuchte die Insel unter Auferbietung all ihrer militärischen Stärke wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Obwohl der in der französischen Revolution proklamierte universelle Anspruch der Menschenrechte mit der Existenz von Kolonien nicht vereinbar war, sah sich Frankreich nicht gewillt, die revolutionären Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf „ihre“ afrikanischen Sklaven anzuwenden. Die napoleonische Armee scheiterte und Jean-Jaques Dessalines rief 1804 die Republik Haiti aus – die erste Republik, die je aus einem von afrikanischen Sklaven geführten Unabhängigkeitskrieg hervorging. Nur hier kam es zu einer bedingungslosen Übertragung des Prinzips, das die anderen entscheidenden Revolutionen dieser Epoche, die französische und die US-amerikanische, beflügelte: das unveräußerliche freiheitliche Recht aller Menschen.

Die Haitianische Revolution


Isolation und erzwungene Reparationen

 Nach der Revolution war das wirtschaftlich einträgliche Plantagensystem zerstört und ein Drittel der Bevölkerung tot. Mit der auf die Republikgründung folgenden Isolation Haitis wurde ein Grundstein für seine wirtschaftliche Misere gelegt.
Die Existenz einer Nation ehemaliger Sklaven war eine nicht zu tolerierende Bedrohung für den status quo der sklavenhaltenden Staaten. Frankreich unter Charles X. verlangte für die Anerkennung Haitis einen hohen Preis: 150 Millionen Gold Franc (später auf 90 Millionen reduziert), für das durch die Revolution verlorene französische Eigentum, die Sklaven.1825, als Haiti kurz vor dem Staatsbankrott stand und eine erneute französische Invasion zu befürchten war, willigte man in die Zahlungen ein. Die Haitianer mussten so mit Geld bezahlen, was sie schon zuvor mit ihrem Blut gezahlt hatten, wie der französische Abolitionist Victor Schœlcher bald feststellte. Die Zahlungen beanspruchten einen Großteil des Staatsetats und wurden bis 1947, 122 Jahre lang also, geleistet. Um die Reparationen überhaupt zahlen zu können, war Haiti gezwungen Kredite bei französischen Privatbanken aufzunehmen. Zu der geleisteten Sklavenarbeit und den Reparationen kamen nun auch noch hohe Zinsen hinzu.
1833 erkannte Großbritannien Haiti an, die USA folgten erst 1862, nachdem sie selbst die Sklaverei abgeschafft hatten.


Die Besatzung

Die von den Marines zur Abschreckung ausgestellte Leiche des Guerillaführers Charlemagne Péralte

1915 besetzten die USA Haiti als Reaktion auf den weitreichenden wirtschaftlichen Einfluss der Deutschen. Die haitianische Verfassung wurde geändert, so dass nun auch Ausländer Besitzungen erwerben konnten. Dazu wurden ganze Landstriche enteignet. Allein im Norden wurden 50 000 Bauern ihrer bescheidenen Ackerflächen beraubt. Die USA übernahmen außerdem die Kontrolle über die Nationalbank von Haiti. Währenddessen bekämpften die amerikanischen Marinekorps den aufkeimenden Aufstand der haitianischen Bauern, der cacos, mit unerbitterter Härte. Einer der Führer des Aufstandes, Charlemagne Péralte, rief 1917 eine provisorische Regierung im Norden Haitis aus. Die Geschichte Haitis wiederholte sich allerdings einmal mehr: Peralté wurde von einem seiner Offiziere an die USA verraten. Er wurde ermordert und seine Leiche als Warnung an seine Gefolgsleute ausgestellt. Das Gegenteil wurde erreicht: Die Tatsache, dass sein Mord bildlich einer Kreuzigung ähnelte und er 33-jährig starb, führte zu Christus und Erlöservergleichen. Peralté wurde so zum Märtyrer. Tausende Todesopfer waren zu beklagen, bis die Marines 1934 das Land verließen.


Kleptokratie und Freihandel

Die Diktatur der Duvaliers (1957-1986), oft als brutalstes Regime in haitianischer Geschichte bezeichnet, wurde bis zuletzt von weiten Teilen der internationalen Gemeinschaft geduldet. Den USA beispielsweise war ein Diktator, der sich in Zeiten des Kalten Krieges als Kämpfer gegen den Kommunismus positionierte, lieber als ein zweiter Castro vor der Haustür.

 

„Papa Doc“ François Duvalier und „Baby Doc“ Jean-Claude Duvalier

 

Besonders Jean-Claude Duvalier, der das Amt des Präsidenten auf Lebenszeit nach dem Tod seines Vaters François erbte, machte sich im Ausland beliebt, indem er Haiti für neoliberale Reformen öffnete. Die Privatisierung staatlichen Eigentums nahm zu, Importzölle wurden beständig reduziert. Im Ergebnis überschwemmten importierte Waren das Land, die lokalen Bauern konnte nicht mithalten. Die Weichen für den internationalen Freihandel wurden gelegt, Sweatshops breiteten sich aus. Haitianer produzierten für Firmen wie Disney und K-Mart und wurden mit 11 US Cent pro Stunde entlohnt.

 

Einer der zahlreichen Textil-Sweatshops in Haiti

 

Die wirtschaftliche Katastrophe führte zu einer ökologischen. Die Wälder wurden abgeholzt und der Einzelne versuchte sich durch den Verkauf von Holzkohle über Wasser zu halten. Vom einstigen Wald in Haiti sind heute noch 2% übrig. Die Entwaldung wiederum führte zu Bodenerosionen.

Zusammen mit der internationalen Konkurrenz wurde dadurch der lokalen Landwirtschaft die Basis entzogen. Dies führte zu einer Landflucht, in deren Folge die Hauptstadt Port-au-Prince um mehr als das Doppelte anwuchs. Cité Soleil, Lasaline, Bel Air und andere Slums sind die Folge dieser Entwicklung.
1986 konnte die haitianische Bevölkerung die Misswirtschaft und Unterdrückung des Duvalierregimes nicht länger hinnehmen. Es kam zu massenhaften Aufständen, in deren Verlauf Duvalier entmachtet wurde. Er verließ in einer US-Air Force Maschine das Land, nachdem er vorausschauend ein letztes Mal die Staatskasse geplündert hatte. Ein US-Gericht stellte 1988 fest, dass Duvalier 504 Millionen US Dollar an öffentlichen Geldern veruntreut hatte. Davon sind noch heute 5,1 Millionen Euro auf Schweizer Bankkonten eingefroren. Das von Duvalier veruntreute Geld trägt zu 40% zum horrenden Schuldenberg Haitis bei. Cephas Lumina, UN-Experte für Außenverschuldung, hat die Unrechtmäßigkeit solcher „odious debts“ betont und drängt auf deren Nullierung.


Die Flut

Nachdem Duvalier aus dem Land vertrieben wurde, kam es zu einer politischen Wende. Seit langem herrschten die Interessen einer kleinen Elite und konservativ-militärischer Kräfte über das Schicksal der breiten haitianischen Massen. Nach Duvalier regierte der Militärgeneral Henry Namphy das Land.

Aus dem Widerstand gegen den von Namphy und seinen Nachfolgern betriebenen Duvalierismus ohne Duvalier entwickelte sich eine Graswurzelbewegung aus Bauernvereinen, Handelsunionen, und kirchlichen Gemeindegruppen, die das politische Klima Haitis bis heute prägt.

Jean Bertrand Aristide bei einer Predigt in der Saint Jean Bosco Kirche in Petionville, Haiti, September 1988

Unter Führung des Befreiungstheologen Jean Bertrand Aristide wurde sie zur Lavalasbewegung. Langsam aber beständig konnte die „Flut“, wie man Lavalas aus dem Kreolischen übersetzt, den politischen Partizipationsanspruch der bis dahin unterdrückten haitianischen Bevölkerung durchsetzen. Folgt man dem kanadischen Philosophen Peter Hallward, so vereinten sich unter Aristides Hand die politisch Sprachlosen in einem kollektiven Projekt sozialer Transformation. Es bot eine Alternative in einem Land, das wie kein zweites in Lateinamerika von sozialer Ungleichheit geprägt ist. 1% der Elite verfügt über mehr als die Hälfte des Eigentums. 1990, bei den ersten freien Wahlen Haitis, setzte sich Aristide bei einer Wahlbeteiligung von 80 % mit 67% der Stimmen gegen 11 Kandidaten durch.

Seine Wahl gilt heute als das wichtigste Ereignis moderner haitianischer Geschichte und wurde international als hoffnungsvoller Neubeginn nach jahrzehntelanger autokratischer Herrschaft begrüßt. Hinter der politischen Kulisse arbeiteten Lavalasgegner jedoch fortwährend gegen die gewählte Regierung. Schon im September 1991 kam es zu einem Staatsstreich, in dessen Verlauf Aristide das Land verlassen musste. 1994 wurde er von Bill Clinton wieder eingesetzt, allerdings unter diversen Vorgaben: komplette Amnestie für die Drahtzieher des Putsches und Anrechnung der Jahre im Exil auf Aristides Amtszeit. Außerdem musste er dem Internationalen Währungsfond weitreichende Zugeständnisse machen. Der Importzoll auf Reis wurde von 50% auf 3% gesenkt. Zuvor deckte Haiti seinen Bedarf zu 4/5 aus eigenem Anbau. Bald kontrollierten US-Firmen den Markt. Der daraus resultierende Preisverfall machte 40 000 Bauern arbeitslos. Heute wird 2/3 des Reisbedarfs importiert.

Nachdem Aristide 1995 – wie von den USA – vorgegeben abtrat, wurde sein Weggefährte René Préval zum Präsidenten gewählt. Bei der Wahl im Jahre 2000 kandidierte Aristide ein zweites Mal und erlang wiederholt die Mehrheit. Die Ergebnisse der Abstimmung, die von internationalen Wahlbeobachtern als „großer Erfolg“ beschrieben wurde, wurden von der Opposition für ungültig erklärt. Als Reaktion darauf blockierten die USA bereits genehmigte Kredite der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Auch nachdem die acht umstrittenen Sitze im Parlament freigegeben wurden, änderte sich nichts. Die für die wirtschaftliche Gesundung des Landes unabdingbaren Kredite wurden während Aristides gesamter Amtszeit nicht gewährt, so dass es ihm unmöglich war, sein Land von der „Misere in eine würdevolle Armut“ zu führen.

Das internationale Geld, das während dieser Zeit nach Haiti floss, kam zu einem großen Teil der politischen Opposition zu gute. Durch eine Vielzahl auf politische Destabilisierung zielende Aktionen war die Aristide infolge mehr schlecht als recht in der Lage das Land zu führen. Die Regierung stagnierte und war über einen langen Zeitraum unfähig, sich mit den sozialen Projekten zu beschäftigen, deren Versprechen sie ins Amt gehoben hatte. Vorwürfe der Menschenrechtsverletzung kamen hinzu. In der internationalen Wahrnehmung war aus der mit Nelson Mandela verglichenen „moralischen Autorität“ von einst ein „tyrannischer Autokrat“ geworden. In dieser Atmosphäre kam es 2004 zu einem erneuten Staatsstreich durch Paramilitärs. Dieses Mal war er offiziell getragen von den USA, Frankreich und Kanada. Aristide wurde im Februar 2004 nach eigener Aussage von US-Militärs zwangsexiliert. Gerald Latorture, Wirtschaftsexperte und ehemaliger UN-Mitarbeiter, wurde als Interimspräsident eingesetzt.


Die internationale Gemeinschaft

Nachdem die US-Truppen, die nach dem Putsch für Sicherheit sorgen wollten, abgezogen waren, wurde im Juni 2004 die UN-Mission MINUSTAH implementiert und hatte die selbe Aufgabe.
Im Verlauf ihres Mandats war sie mehrfach in Skandale um zivile Opfer verwickelt. Die UN wird von einem nicht zu unterschätzenden Teil der haitianischen Bevölkerung als Besatzer empfunden, der den Willen der oligarchischen Elite ausführe und Lavalasanhänger verfolge. Die Kritik an der UN-Mission kommt dabei keineswegs nur von außen, sondern ist auch in UN-Kreisen ein Thema.

MINUSTAH Operation in Cité Soleil

Der erste militärische Kommandant der  MINUSTAH, der brasilianische General Augusto Pereira bat nach einem Jahr um seine Amtsauslösung. Er wollte verhindern, im Nachhinein für Verbrechen an der Zivilbevölkerung belangt zu werden, die unter seinem Kommando und auf Druck der „revolutionären” Kräfte geschahen. Sein Nachfolger Urano Bacellar beging im Januar 2006 überraschend Selbstmord, nachdem er sich gegen die von ihm abverlangte „Reinigung von Cité Soleil”, dem größten Slum Port-au-Princes und Hochburg von Aristideanhängern, gewehrt hatte.

Demokratische Wahlen wurden zwei Jahre lang mit dem Verweis auf die instabile Sicherheitslage verschoben. 2006 wurde René Préval ein weiteres Mal zum Präsidenten gewählt und versucht seitdem unter unverändert schlechten Bedingungen die „Perle der Karibik“ zu regieren.


Ein Fluch?

Der französische Staatspräsident Sarkozy sah die Geberkonferenz der Freunde von Haiti nach dem Erdbeben als die Chance, „das Land von dem Fluch zu befreien, der seit Jahrhunderten auf ihm zu lasten scheint“. Er verklärt so die Geschichte seines eigenen Landes und die Haitis. Die elende Situation Haitis aber ist eine direkte Folge eines brutalen Systems kolonialer Ausbeutung, fortwährender neoliberaler Eingriffe und kleptokratischer Misswirtschaft.

2003, im Vorfeld des zweihundertjährigen Jubiläums der Republik, forderte Aristide von Frankreich die Rückzahlung der auf heutige Maßstäbe übertragenen 21 Milliarden US Dollar Reparationen. Frankreich bezeichnete die Forderungen als „aggressive Propaganda“, richtete aber dennoch eine Prüfkommission ein. Diese kam zu dem Schluss, dass der Anspruch nicht gerechtfertigt sei. Haitis Forderung stütze auf dem Argument der Unrechtmäßigkeit, da die junge Republik, der Gefahr der wiederholten Versklavung ausgesetzt, unter Militärgewalt zur Zahlung gezwungen wurde. Die juristische Grundlage der Forderung war die Tatsache, dass das französische Parlament 2001 Sklaverei zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt hatte. Gerichtliche Schritte wurden eingeleitet, es kam jedoch nie zu einer Verhandlung: Aristide wurde vorher gestürzt. Der Coup d’Etat wurde von Frankreich mitgetragen.


Die Chance

Durch das Erdbeben ist die desaströse Lage Haitis der internationalen Gemeinschaft unausweichlich vor Augen geführt worden. An ihr ist es nun, das Erbe der Geschichte anzunehmen und begangene Fehler zu korrigieren. Das bedeutet eine konsequente Fortführung der 2009 begonnenen Teilentschuldung Haitis durch die Interamerikanische Entwicklungsbank, den Internationalen Währungsfond und anderer Gläubiger, ohne mit jetzt geleisteter Katastrophenhilfe aufzurechnen. Die Rechtswidrigkeit der gezahlten Reparationen muss gerichtlich festgestellt und der französische Staat in die Pflicht genommen werden.
Nur so wird Haiti in der Lage sein, eine stabile Wirtschaft aufzubauen und sich von einem „Billiglohnparadies“ in ein Land weitgehender politischer und wirtschaftlicher Selbstbestimmung zu wandeln.

ORIGINAL: http://bertjensen.ch/haiti-oder-wie-man-katastrophen-macht/

Read Full Post »